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Mit Goethe im Garten – Inspiration und grünes Wissen aus den gärten der Goethezeit.

Rezension von Christiane Högermann

Das Ginkgo-Blatt ist eng mit Johann Wolfgang von Goethe verknüpft, denn es könnte wegen seiner dichotomen Blatttaderung als Symbol für Goethes zwei große Leidenschaften stehen, der Liebe zur Poesie und der zur Natur, insbesondere zur Pflanzenwelt.

Renate Hückings Text-Bildband besticht durch die gelungene Kombination aus hochklassigen Fotos zum virtuellen Spaziergang mit dem Dichterfürsten durch seine eigenen Gärten und die von Weimarer Zeitgenossen und Dokumentation von Goethes persönlicher Entwicklung auf dem Wege zum autodidaktisch lernenden Gartenexperten. Nicht nur Ginkgo biloba, weitere botanische Raritäten und Schönheiten, sondern Naturphänomene im weitesten Sinne haben sein dichterisches Schaffen, seine Korrespondenz und persönlichen Gespräche mit Seelenverwandten wesentlich geprägt. Dafür ist Renate Hückings Werk ein bleibendes Zeugnis: Immer dort, wo es sich thematisch anbot, hat sie entsprechende Zitate in ansprechender Kursivschrift integriert. Besonders reizvoll ist die sprachliche „Dissonanz“ zwischen ihren erzählend-kommentierenden Textpassagen, so insbesondere  den biografischen Beiträge zu Goethe in seiner Zeit, und der Goethe eigenen Dichtersprache. Selbstredend wird auch die Beziehung zwischen Johann Wolfgang und Christiane (Vulpius) entsprechend gewürdigt.

Alle Kapitel, die sich um Goethes Naturerleben ranken, sind mit einem Zitat von ihm betitelt. Als Ergänzung dienen die Schlusskapitel. Sie liefern wissenschaftliche Hintergründe, so Goethes Lebensdaten, eine beeindruckende Fotodokumentation historischer Gärten im heutigen Weimar und Umgebung, Bezugsquellen für Pflanzen, historische Rosensorten sowie die für ein Fachbuch üblichen Register.

Die inhaltliche Bandbreite des poetischen Gartenführers bietet noch mehr: in loser Folge Informationskästen zu Pflanzenarten, Gartenanlagen, Goethes Farbenlehre, zeitgenössisches Brauchtum und Rezepten für Speisen.

Die Autorin und ihre Fotografin Marion Nickig haben sich bei ihrer Einladung des Lesers, mit ihnen einen poetischen Gartenspaziergang zu machen, der Herausforderung gestellt, eine Synthese zwischen Natur und Poesie zu schaffen. Das Ergebnis ist ein für Auge und Seele schauens- und lesenswertes (Kunst-)Werk – unterhaltsam und informativ zugleich.