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Hexen, Hünen, Höllenfürsten – Sagenhaftes Osnabrücker Land

Rezension von Christiane Högermann

Vielgestaltige Dämonen, Hexen, Riesen, Werwölfe und weitere Sagengestalten sind die Protagonisten dieser über 90 spannenden, seit Jahrhunderten überlieferten Kurzgeschichten.  Sie tummeln sich in und um Osnabrück herum und geben Anlass zu vielen wundersamen Erkenntnissen zum Beispiel über die Teufelssteine bei Bad Laer, das Laerer Glockenspiel, einen Drachentöter nahe Badbergen und sogar einen Schimmelreiter hat der Autor und Historiker Matthias Rickling aufgetan, um den sich eine Legende rankt. Mit seinem Buch entführt er uns in Märchenwelt, die für viele von uns Lokalbezug hat, da uns die eine oder andere Geschichte noch aus dem „Heimatkundeunterricht“  bekannt ist.

Den thematischen Rahmen bilden dämonische Sagen zu für Menschen unerklärlichen Ereignissen mit übernatürlichen (Fantasie-)Wesen – abzugrenzen von historischen Sagen, die hier (zunächst ?) nicht aufgenommen sind. Die Textsammlung basiert auf einer bis ins 19. Jahrhundert hineinreichenden Erzähltradition, die letztendlich auf mündlich tradierte Geschichten durch Heimatforscher zurückgeht. Mit dieser Textsammlung reiht sich Rickling in die Bewahrer dieser Tradition lückenlos ein und liefert so einen Beitrag gegen das Vergessen von regionalen geschichtlich-literarischen Besonderheiten.

Ricklings kurzweilige Lektüre hat auch etwas von einem Geschichtsbuch, denn es spiegelt die Entwicklung von mystischen Ereignissen rund um Osnabrück wider. Hier wurde sorgfältig recherchiert, wovon auch die umfangreichen Quellenangeben sowie die thematisch passend eingebundenen Schwarz-Weiß-Fotos zeugen.

Alle Geschichten in den sechs Kapiteln sind unabhängig voneinander zum Schmökern geeignet, je nachdem, wie weit sich der Leser in außerirdische Sphären entführen lassen möchte, ob er vielleicht lieber etwas über „Riesen und Zwerge“, „Drache, Werwolf, Wilder Jäger“ erfahren möchte oder sich gleich tief in die Materie hineinbegibt bei zum Beispiel „Satanswerk und Höllenbrut“ oder „Versunken und ewig verdammt“. Alle Kapitel werden jeweils einführend kommentiert. Sieben Geschichten stehen sogar in ihrer Originalsprache dem ortstypischen „Plattdeutsch“, so etwa „Dei Bure und dei Düwel“ sowie „De Kerdel anne Kopp“ und sind eine besondere Herausforderung an das Leseverständnis, zugleich auch eine Reminiszenz an diejenigen unter uns, die noch „Plattdeutsch“ können.  Solche Texte sind besondere Zeitzeugen aus dem sagenhaften Osnabrücker Land. Ähnlich wie Märchen besitzen die Geschichten dank ihrer Authentizität häufig eine gewisse Brutalität, sodass es nicht immer leichte Lesekost ist. Doch im gebotenen Kontext ändert das nichts an der Attraktivität der Lektüre.  

Der sicher bewusst gewählte doppeldeutige Buchtitel hält, was er verspricht: sagenhaft unterhaltsam aufbereitete Sagen mit sagenhaften Erkenntnissen zu sagenhaften Geschehnissen.