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Die Bibel für kluge Kinder und ihre Eltern

Rezension von Christiane Högermann

Auch wenn der Buchtitel es suggeriert, ist dieses farbenfroh und mit viel Bild- und Textmaterial abwechslungsreich gestaltete Werk für Jugendliche ab 12 Jahren eher keine Bibel, zumindest keine im klassischen Sinne. Nicht die herkömmliche „trockene“ Gliederung in Altes und Neues Testament ist der Leitfaden, sondern das, was ein Jugendliche schon immer gerne über für ihn vielleicht besonders spannende oder nicht verständliche Bibelstellen wissen wollte. Eine herkömmliche Bibel würde ihm dazu zwar die Quellentexte biegen, jedoch keine (individuellen) Erklärungszusammenhänge.

In Halbfas‘ kommentierter Bibel für aufgeweckte, gesund kritische Kinder und Jugendliche sind die interdisziplinären Ansätze, hervorzuheben, die mit den farblich gekennzeichneten Bibelzitaten verknüpft werden. So stellt er die Entstehung des Universums aus der Sicht der Physik und der biologischen Evolution einander gegenüber. Dadurch werden auch mutig Grenzen der Aussagefähigkeit biblischer Inhalt thematisiert und der Leser erhält Denk- und Verständnishilfen aus mehreren Blickwinkeln.

Die Betrachtungsweise der Quellentexte steht durchgängig im Kontext ihrer Entstehungszeit. So vermittelt Autor das zur damaligen Zeit übliche, tradierte geistige Gut und daraus resultierende Handlungsweisen. Für den Jugendlichen von heute wichtige Erkenntnisse, denn er kann sich so mit der einen oder anderen Episode besser (kritisch) auseinandersetzen.

Sehr adressatengerecht sind zudem die nach dem „Schon-Gewusst-Prinzip“ auf den Randspalten abgedruckten historischen Zusatzinformationen und Kommentare zu den Bilddokumenten, hier oftmals solche von zeitgenössischen Künstlern wie Chagall, Beckmann oder Arcabas.

Viele Begriffe bzw. Schlüsselkonzepte, die im Religions- und Konfirmandenunterricht sowie in Kindergottesdiensten zur Grundausstattung gehören, erfüllt Halbfas mit für den Jugendlichen greifbarem Leben, etwa die Bedeutung der Thora, wer war Jahwe?, was hat es mit dem Salz der Erde und dem Goldenen Kalb auf sich? Hinzukommen eingestreute kurze Essays mit aktuellem Bezug zum Alltag, so „Der verlorene Sonntag“ im Anschluss an den Genesistext oder „Haben Lügen kurze Beine`“ zu den Anfängen der Jesusbewegung.

Bevor die jüdische Bibel als Altes Testament sowie die christliche Bibel als Neues Testament zur Sprache kommen, führt der Autor in das Land der Bibel, Erzählen – Schreiben, die Entstehung der Schrift und Sprache – Wahrheit ein. Der Kreis schließt sich im Nachwort, das nahezu einem Vorwort gleichkommt, denn es stellt Halbfas‘ Intention und den inhaltlichen Aufbau seines werkes in den Vordergrund.

Dem Autor ist es gelungen, kritische Fragen Jugendlicher rund um das Themenpaket „Bibel, Jesus, jüdischer, christlicher Glaube, Gleichnisse, Metaphern, Wahrheitsgehalt von Bibelpassagen, Möglichkeiten und Grenzen der Interpretation“ zu antizipieren und in verständlicher Sprache zu beantworten, zumindest durch Kommentare für den jungen Leser  aufzuhellen. Alles in allem handelt es sich um ein ökumenisch aufgemachtes Lese-Lern-Nachschlagewerk. Es trägt dazu bei, die Bibel als ein für viele Jugendliche bislang eher langweiliges Dokument der Religionskultur in ein zeitgemäßes Licht zu rücken und dem wissbegierigen Jugendlichen (Erwachsene nicht ausgeschlossen) zu helfen, sich ausgewählte theologische Zusammenhänge zu erschließen.