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Archäologie der biblischen Welt

Die Einleitung im Vorwort über die Klischeevorstellung des Berufsbildes eines Biblischen Archäologen via „Indiana Jones“ ist ein geeigneter Appetitmacher auf die Lektüre. In Viewegers Werk bestätigt sich wieder einmal, dass Wissenschaft nicht trocken sein muss, wenn sie nur richtig aufbereitet wird. Der Autor setzt darin eine bis in das 18. und 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition von Carsten Niebuhr, Ulrich Jasper Seetzen und Johann Ludwig Burckhardt zur Einheit der Theologie und Archäologie Palästinas fort.

Als eine der wichtigsten geografischen Regionen, die das Christentum und seine Geschichte geprägt haben, ist das Heilige Land von vielen, vor allem tradierten Geheimnissen umwittert. Um so wichtiger ist es, sichtbare, objektivierbare Zeugnisse zur Geschichte Palästinas zu erhalten, die einen Brückenschlag zur Religionsgeschichte ermöglichen. Nicht umsonst müssen Biblische Archäologen Fachleute der Archäologie und Theologe sein. Zu solchen Zeitzeugen vergangener Epochen gehören archäologische Funde, die neben ihrer wissenschaftlichen Aussagekraft eine besondere Faszination in sich tragen, da sie häufig Monumentalwerke bzw. deren Relikte sind, die aus ihrer Zeit heraus gesehen mit intelligenten Methoden geschaffen wurden. Das bekommt der Leser schon beim „Orientierungsgang“ durch das Buch mit, wenn er einige der kleinen in den Fließtext integrierten, leider wenig kontrastreichen Schwarzweiß-Fotos und Abbildungen betrachtet. Aber da gibt es ja noch als „Sahnehäubchen“ eine Foto-DVD, mit der man sich einen unvergesslichen Eindruck der archäologischen Funde bzw. Ausgrabungsstätten auf den Computer-Bildschirm holen kann. Die hochklassigen Farbfotos schicken den Leser geradzu auf eine Abenteuerreise durch das alte Palästina.

Zusammen mit den gut verständlich verfassten Kommentaren, Erklärungen und farblich hervorgehobenen Zusatzinformationen (z. B. Bezüge zu prägenden Persönlichkeiten, biblischen Orten, Forschungsinstituten, musealen Besonderheiten, Fachausdrücken) erlaubt das Bildmaterial eine faszinierende Retrospetive und das nicht nur bezogen auf die biblische Welt, sondern auch zur Arbeitsweise von Archäologen (Forschungsziele, Methodenrepertoire, Restaurierung und Erhaltung von Funden sowie deren Klassifizierung) und deren Entdeckungen, so etwa in Scha’ar Hagolan, chalkonischen Dörfern, der Bronzezeitstadt Arad oder dem Wüstenschloss Qasr’Amra. Der Autor bietet neben Spezialwissen über die Archäologe Palästinas ein Grundlagenwerk, das die Archäologie trotz „trockener Objekte““ als dynamische Wissenschaft in vielen Facetten vorstellt. Vor theologischem Hintergrund erhalten dabei die Forschungsergebnisse einen besonderen Stellenwert, da sie Rückschlüsse auf die Geomorphologie des „Heilgen Landes“ sowie insbesondere über die Lebensbedingungen und Lebensweise der Menschen ermöglichen. Man muss wirklich kein Studierender der Archäologie, Ethnologie oder gar Theologie sein – auch wenn das ein besonders angesprochener Adressatenkreis ist – um mit diesem auch für Autodidakten motivierend gestalteten Lehr-Lern-Lesewerk auf den historischen Spuren Palästinas zu wandeln. „Archäologie der biblischen Welt“ hält neben dem anschaulich aufbereitetem Hintergrundwissen über (Biblische) Archäologie in anwendungsorientierter Form das bereit, was die spezielle Archäologie incl. der Interpretation der Funde Palästinas ausmacht. Es handelt sich nicht um ein theologisches Werk, denn es wird nur soviel Religionswissenschaft betrieben wie nötig, insbesondere kompakt im 1. Kapitel, in dem der Zusammenhang zwischen Archäologie und der Bibel ausführlich dokumentiert wird. Der Autor folgt dem Prinzip, vom Phänomen ausgehend die Kultur- und Sozialgeschichte des Heiligen Landes lebendig werden zu lassen. Das wird auch getragen durch die Materialfülle in Form von Fotos, Handzeichnungen, Schautafeln, Diagrammen, Ausschnitten geografischer Karten, einer Zeittafel sowie einer Auflistung deutsch-arabisch-hebräischen Fachvokabulars.

Fazit: ein beeindruckender Beitrag zur Erforschung der Geschichte Palästinas, das für den theologisch interessierten (Hobby-)Historiker einen hohen Informationsgehalt besitzt.

Christiane Högermann