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20.04.2019

Die Tänzerin von Auschwitz

Ausstellung in St. Katharinen in Osnabrück erstmalig in Deutschland
Bei einem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz stößt der Niederländer Paul Glaser zufällig auf einen Koffer mit seinem Familiennamen und entdeckt die jüdischen Wurzeln seiner Familie und die Lebens- und Überlebensgeschichte seiner Tante Roosje. Roosje leitete eine Tanzschule bis sie von ihrem Mann verraten wurde, untertauchen musste und schließlich inhaftiert und nach Auschwitz deportiert wurde. „Mich kriegen sie nicht klein“, sagte sie sich im Lager. Roosje hat Auschwitz und den Todesmarsch durchlitten und überlebt. In dem Buch „Die Tänzerin von Auschwitz“ beschreibt ihr Neffe Paul Glaser das Leben seiner außergewöhnlichen Tante anhand der erhalten gebliebenen Dokumente, Briefe und Fotos. 

Erstmals in Deutschland
Auf dieser Grundlage und ergänzt um Filmausschnitte entwickelte Paul Glaser eine Ausstellung zum Leben dieser unbeugsamen Frau. Übersetzt ins Deutsche ist die Ausstellung vom 23. Mai bis 25. August erstmalig in Deutschland zu sehen. Die Katharinengemeinde in Osnabrück setzt ihren Schwerpunkt seit Jahren auf die Friedenskulturarbeit, u.a. in dem ambitionierten Projekt der Osnabrücker Friedensorgel. „Mit der Ausstellung und dem Begleitprogramm wollen wir uns auch der Frage stellen, wie wir als „Zweitzeugen“ gegensteuern, wenn Antisemitismus und Nationalismus in unserer Gesellschaft wieder erschreckende Ausmaße annehmen“, erläutert Pastor Otto Weymann von St. Katharinen. Darüber hinaus sei die Geschichte der Tänzerin Roosje ein Musterbeispiel dafür, wie man in scheinbar ausweglosen Situationen Kraftquellen für den Lebenswillen mobilisieren kann. „Darin ist die Biografie dieser besonderen Frau auch für uns hoch aktuell,“ so Weymann.

Nachhaltige Zugbekanntschaft
Eine zufällige Begegnung im Zug von Berlin nach Osnabrück bzw. Amsterdam steht am Beginn dieser Ausstellung, die nun erstmalig in Deutschland zu sehen sein wird. Buchautor Paul Glaser und Pastor Martin Wolter, damals Citypastor in Osnabrück, kamen im Zugabteil bei einer Familienpizza ins Gespräch über das Buch, das Glaser zunächst unter dem Titel „Tanzen mit dem Feind“ auf Niederländisch veröffentlicht hatte. „Es war unglaublich interessant, er hat bis Osnabrück erzählt. Ein so charmanter, kluger, bescheidener Mann“, erinnert sich Wolter. Man verabschiedete sich in Osnabrück mit der Idee eines Vortrages, gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das ist nun rd. zwei Jahre her. Der Kontakt blieb, zu der Ausstellung 2016 in Enschede lud Paul Glaser die beiden Osnabrücker Pastoren ein. Die Übertragung der Ausstellung ins Deutsche gelang mit EU-Mitteln aus dem EUREGIO-Förderprogramm. Dass sie nun am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetztes und unmittelbar vor dem Europa-Wahl Wochenende in Deutschland eröffnet wird, ist eine gelungene zeitliche Koinzidenz. 

Aktives Rahmenprogram
Viel Herzblut von Pastor Otto Weymann steckt auch in dem Begleitprogramm zur Ausstellung. Es ist mit und für verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammengestellt, die man auf den ersten Blick nicht in einer Kirche vermutet: Tangoszene, Schulklassen, Schauspieler, Studierende. Auf dem Programm stehen eine Predigtreihe und eine Matinee zur Frage „Was macht uns stark?“ mit Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier. Außerdem Kollagen aus Wort, Musik und Tanz, Dokumentarfilmabend, Vorträge und ein Konzert zur Musikzensur im 20. Jhd.. Und natürlich wird auch Paul Glaser mehrfach vor Ort sein. 

Informationen: 23. Mai bis 25. August 2019 ST. KATHARINEN OSNABRÜCK, An der Katharinenkirche 8, 49074 Osnabrück oder klicken Sie hier: Die Ausstellung und das Begleitprogramm.